Die Namensfindung war für mich ein leichtes. Da ich selbst Teil der Punk- und Heavy-Metal-Szene der 1980er und 90er Jahre war, war schnell klar, dass meine Hundeschule Punk Dog heißen soll.
Was zeichnet einen Punk aus? Auffälligkeit. Optisch ebenso, wie im Verhalten. Die Punks, als sie noch richtige Punks waren, waren reaktionär, also schon aus Prinzip dagegen. Sie waren unangepasst, fielen irgendwie aus der Gesellschaft, und viele Menschen fühlten sich durch ihre bloße Anwesenheit gestört. Menschliche Straßenhunde, könnte man sagen.
Was also hat das jetzt mit meiner Arbeit als Tierpsychologe zu tun? Hunde mit Verhaltensauffälligkeiten könnte man auch als Punks bezeichnen, allerdings sind diese Hunde nicht freiwillig so. Dass ein Hund etwas tut, um seinen Menschen zu ärgern, ist äußerst unwahrscheinlich, da dies ein weit komplexeres Denken voraussetzen würde, als es Hunden möglich ist, auch wenn der Glaube, dass sie es eben doch können, weit verbreitet ist.
Vielmehr treten Verhaltensauffälligkeiten immer dann auf, wenn ein Hund etwas bestimmtes nicht oder falsch gelernt hat, sei es durch mangelnde Sozialisierung, schlechte Aufzuchtbedingungen, falsche Erziehung bzw. Training, oder eben negative Erfahrungen mit Menschen oder anderen Hunden, gerade wenn es sich um einen Hund aus dem Tierheim oder Tierschutz handelt, und dadurch traumatisiert ist. Selbst der gut sozialisierte Familienhund kann durch traumatische Erlebnisse, etwa eine Attacke durch einen anderen Hund oder das Silvesterfeuerwerk, Verhaltensstörungen entwickeln. Es kann sogar vorkommen, dass ein Hund Auffälligkeiten entwickelt, wenn die Mutterhündin während der Tragzeit schweren Stress erlebt, sie es so also direkt an ihre Welpen vererbt. Sozusagen "mit der Muttermilch aufgesogen".
Was sind eigentlich Verhaltensauffälligkeiten? Viele, vor allem Leute, die selber mit Hunden nichts zu tun haben, denken da gleich an Beißen. Das wäre dann tatsächlich schon der Super-GAU. Nein, das fängt schon im Kleinen an, z.B. wenn der Hund sich unter dem Tisch versteckt, wenn es an der Tür klingelt, oder auch, dass er sich nicht anfassen lässt, weder vom Halter noch vom Tierarzt.
Die Ursachen, welche durchaus vielschichtig sein können, zu klären in einem gemeinsamen Anamnesegespräch ist immer der erste Schritt. Die Anamnese ist gewissermaßen eine Bestandsaufnahme des gesamten bisherigen Hundelebens, also der Lebensumstände, des Gesundheitszustandes, der Herkunft usw.
All das kann weiteren Aufschluss über die Herangehensweise an das bestehende Problem geben. Besteht z.B. der Verdacht, dass die Verhaltensänderung einen gesundheitlichen Ursprung haben könnte, wie etwa Schmerzen, Unregelmäßigkeiten im Hormonhaushalt oder anderes, muss dies im Folgenden zuerst von einem/einer Tierarzt/ärztin abgeklärt werden, ehe verhaltenstherapeutische Maßnahmen begonnen werden.